Konzentrationslager Natzweiler-Struthof

Aus Gyneu

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Am 09.03.2010 versammelten sich die vier 9. Klassen des Gymnasium Neureut gemeinsam mit unseren Geschichtslehrern (Herr Müller, Herr Markert, Herr Seidemann und Herr Dolch) auf dem Parkplatz vor dem Schulzentrum. Grund dafür war die geplante Fahrt in das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof. Im Vorfeld schauten wir uns einen Film über das Konzentrationslager an, welcher uns auf die Fahrt vorbereiten sollte. Jedoch konnte beim Einstieg in den Bus noch keiner von uns erahnen, was wir bald sehen würden.

Natzweiler-Struthof, das im französischsprachigen Raum unter dem Namen „ Le Struthof“ bekannt ist, liegt auf einem 800 m hohen Berg, 50 km von Straßburg entfernt. Das Konzentrationslager ist nach Angaben des berüchtigten ehemaligen Lagerkommandanten Josef Kramer ein „ kleines Lager“, welches im Mai 1941 eröffnet wurde. Natzweiler unterscheidet sich von vielen anderen Lagern dadurch, dass es ein reines Arbeitslager war, welches zur Unterdrückung jeglicher Gegnerschaft und brutalen Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge diente. Die 52.000 Gefangenen konnten den unvorstellbaren Qualen und Demütigungen nicht lange standhalten. Die durchschnittliche Überlebenszeit betrugt sechs Monate.

Wir bekamen die extremen Wetterbedingungen dieses Ortes sofort zu spüren, als wir am Eingang des Konzentrationslager Natzweiler-Struthof standen. Es wehte ein eiskalter Wind und der Himmel war grau.
Trotz unserer warmen Kleidung froren wir, aber sich vorzustellen, welche Kälte die Gefangenen verspürt haben mussten, fiel uns allen unglaublich schwer. Die Stimmung war bedrückt, als wir nach einem kurzen Fußmarsch vor dem Lager standen. Alle waren angespannt, was jetzt passieren würde und was wir sehen würden.

Aber bevor wir das Lager betraten, stiegen wir erst einen kleinen Abhang hinab. Dabei mussten wir aufpassen, dass wir nicht ausrutschten, da alles mit Schnee bedeckt und sehr glatt war. Dies war der Weg zum ehemaligen Heim des KZ-Hauptmanns Josef Kramer. Eine prächtige und noch gut erhaltene Villa. Es ist erschreckend und unfassbar, dass hier vor ungefähr 60 Jahren rauschende Feste und wilde Orgien mit den Wehrmachtshelferinnen gefeiert wurden, während gerade mal 200 Meter weiter so viel Leid ertragen werden musste. Noch mühsamer als der Weg zur Villa war der Aufstieg zurück zum Haupttor. Von dort aus hatten wir eine gute Aussicht auf die traumhafte Landschaft. In diesem Moment fiel es uns schwer zu glauben, dass genau an diesem Ort so viele Menschen starben.

Bei unserer Führung durch das Konzentrationslager sahen wir die Stelle, an der die 17 Baracken standen, von denen jetzt nur noch vier erhalten sind: das Krematorium, der Bunker, die Lagerküche und eine Baracke, in der sich heute ein Museum befindet. Die Baracken sind je 44 Meter lang und 12 Meter breit und durch das Gefälle des Geländes von 20 % terrassenförmig angelegt. Zuerst besichtigten wir die Lagerküche. Der Begriff Küche kommt einem in diesem Moment sehr unpassend vor, da alle Häftlinge ausgehungert waren und meist nur dünne Suppe bekamen. Das Gefühl von Hunger war hier ein ständiger und nicht mehr wegzudenkender Begleiter.

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Einige Schritte weiter standen wir vor einem der acht Wachtürme. Das Gelände ist von einem unter Hochspannung stehenden Stacheldrahtzaun umgeben. Die Wachtürme sind zwar nicht besonders groß, aber man konnte das abgeholzte Gelände komplett überblicken. Jeder Wachturm ist mit einem Maschinengewehr und Scheinwerfer ausgerüstet. Vor dem Wachturm war ein Graben zu sehen, welcher auch „Todesgraben“ genannt wurde, wie wir gleich darauf entsetzt hören mussten. Die Häftlinge wurden von den Wachmännern absichtlich in den Graben gestoßen und anschließend von ihnen erschossen. Noch schlimmer war aber, dass die Wachmänner dafür auch noch eine Belohnung von einem Päckchen Tabak und einen Urlaubstag extra bekamen. Es machte sich überall die Frage breit, wie man nur so eiskalt sein kann. Dass das noch nicht alles war, mussten wir feststellen, als wir am Galgen standen. Unser Lehrer las uns einen Auszug aus einem Tagebuchaufschrieb eines Gefangenen vor. In diesem wird beschrieben, dass die Insassen des Konzentrationslagers bei ihrer Ermordung oftmals gequält wurden und erst nach bis zu 45 Minuten ihren Tod fanden.

In der heutigen Zeit fällt auch die Vorstellung, sich zu dritt ein Bett teilen zu müssen, schwer. Doch so waren die Lebensbedingungen, da das Lager überfüllt war. Es war für 1.500 Häftlinge eingerichtet, doch im März 1944 waren es mehr als 5.000. Unter diesen Umständen verbreiteten sich Seuchen und Krankheiten rasend schnell.

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Schließlich ging unsere Führung weiter in den Bunker. Der Bunker war sozusagen ein Gefängnis im „Gefängnis“. Das Erste, was wir im Bunker zu sehen bekamen, war der „Prügelbock“. Es bleibt einem die Luft weg, wenn man an die schrecklichen Ereignisse denkt, die genau an diesem Fleck geschehen sind. Zu wissen, dass genau hier jemand seine Strafe bekam und über den Prügelbock geschnallt wurde, war unerträglich.
Im Bunker mussten sich 25 Häftlinge eine Zelle teilen. Um uns die Enge bewusst zu machen, probierten wir es aus. Erschrocken mussten wir feststellen, dass hier gerade noch genug Platz zum Stehen war, an Schlaf war gar nicht zu denken.

Ohne das Gesehene verdaut zu haben, ging es weiter an den wohl schlimmsten Ort des Konzentrationslagers, das Krematorium. Gleich am Eingang konnten wir auf den Ofen blicken, in dem die Leichen verbrannt wurden.

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Ein weiterer Abschnitt des Krematoriums war die Ärzteabteilung. Doch wer dachte, hier wäre den Häftlingen geholfen worden, wurde eines Besseren belehrt. Die Häftlinge wurden Opfer grauenhafter Versuche, die Eugen Haagen veranstaltete, um an Typhus zu forschen. Ein anderer Arzt, Professor August Hirt, leitete eine rassenbiologische Forschung und baute aufgrund dessen eine Skelettsammlung auf. Uns lief ein kalter Schauer den Rücken runter, als wir den Sezierraum sahen. Mitten in dem Raum stand ein großer Tisch, der mit Rinnen versehen war. Dieser ist zur Mitte hin abfallend, damit das Blut der Opfer besser abfließen konnte.

Als Nächstes gingen wir zurück zum Bus und fuhren zur Gaskammer. Hier waren es die Aufbewahrungsbecken, welche uns bewegten. Es fiel einem nach all dem Schlimmen, was man gesehen hatte, nicht schwer, sich die Becken voller Häftlinge vorzustellen. Nach dem Aufbewahrungsbecken ging es wieder in den Bus und aus der Vergangenheit zurück in unser Leben.

Wir können uns bei weitem nicht in die Lage der Häftling hineinversetzen, geschweige denn so fühlen, trotzdem war es eine wichtige Erfahrung, die wir hier gesammelt haben. Wir waren alle froh, dass wir diesen Ort wieder verlassen durften und nicht wie die Häftlinge gefangen gehalten wurden.
Keine Bilder oder Filme können das beschrieben, was man dort sieht, denn dies ist bei weitem bewegender, grausamer, schockierender, trauriger und brutaler, als man es sich jemals vorstellen konnte.

Jutta Wall, Klasse 9c

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