Erfahrungsbericht Trimester in Verdun
Aus Gyneu
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Zwei tolle Monate am Lycée Margueritte in Verdun
Als kurz vor den Osterferien letzten Jahres eine bunte Gruppe aus Schülern der damaligen Klassen 9 zu Herrn Härle-Hofacker gebeten wurde, waren alle überrascht, als uns angeboten wurde, 4 Monate an unserer Partnerschule, dem „Lycée Margueritte“ in Verdun zu verbringen. Von so einem langen Austausch, der zu Beginn der 10. Klasse stattfinden sollte, hatte noch keiner gehört, auch wenn er schon seit Jahren eine feste Institution an unserer Schule ist.
Nach zwei Wochen Bedenkzeit (schließlich sollten im Gegenzug auch Franzosen für 2 Monate bei uns wohnen und so musste das Ganze gut überlegt sein), waren aus der Anfangsgruppe nur noch zwei übrig, Rebecca Bartel und ich. Wir hatten beschlossen, das Abenteuer zu wagen, auch wenn ich nur die „Light-Version“ gewählt hatte: Ich wollte 2 statt 4 Monate in einer französischen Gastfamilie verbringen.
Nach den Pfingstferien war es dann soweit
Léa und Camille, unserer „Correspondantes“ kamen für zwei Monate. Léa und Camille gingen mit uns in die Schule, am Wochenende besichtigten wir z.B. Speyer oder Heidelberg und an den wenigen schönen Tagen ging es selbstredend an den Baggersee. Natürlich gab es manchmal auch Momente, in denen man nichts mit dem anderen anzufangen wusste oder es einfach in der Schule sehr stressig war.
Aber insgesamt muss man sagen, dass der Besuch hier eben auch zu einem AusTAUSCH dazu gehört und wir doch zwei schöne Monate in einem verregneten Karlsruhe verbracht haben. Ich denke / hoffe, dass es Léa und Camille hier auch gefallen hat.
Tschüss Karlsruhe
Nach 6 Wochen Ferien hieß es dann für Rebecca und mich, „Tschüss Karlsruhe, Salut Verdun“.
Wir beide hatten uns – entgegen der Tradition – entschieden, die zwei bzw. 4 Monate nicht im schuleigenen Internat, sondern bei unseren Gastfamilien zu verbringen.
Mich verschlug es nach Ancemont, einer 600-Seelen-Gemeinde, etwa 20 Minuten entfernt von Verdun. „600 Einwohner?! Was für ein Kaff!“, denken viele bestimmt. Aber für diese „Région“ ist das gar nicht so wenig. Wie wir später noch feststellen sollten, ist „La Meuse“ einfach sehr ländlich, was aber gar nicht negativ sein muss, mir hat dies sogar sehr gut gefallen.
Léas Familie (bestehend aus den Eltern und insgesamt 4 Kindern) ist eigentlich ziemlich „typisch französisch“ und hat mich sehr herzlich empfangen. Sie wurde für mich wie eine zweite Familie. An den Wochenenden machten wir – nach Hausaufgaben und Lernen – oft Ausflüge, sei es nach Reims, ins nahe Metz oder zu Burgen.
Einen Großteil des Lebens nahm aber die Schule ein. Während ich dort war, lernte ich unsere Schule und vor allem unser Schulsystem wirklich schätzen. Dies hatte mehrere Gründe, war es doch so, dass wir jeden Morgen um 7 Uhr aus dem Haus gingen und erst gut zwölf Stunden später wieder heimkehrten. Arbeiten wurden nicht vierteljährlich geschrieben, sondern eher alle zwei Wochen, so dass wir häufig drei bis vier Arbeiten pro Woche schrieben.
Doch auch in vielen positiven Dingen ist die französische Schule anders als die deutsche. Positiv ist mir die Kantine und das gute Essen aufgefallen, es war wirklich schön, dort mit anderen zu essen. Freunde traf man auch nicht nur in der Kantine, sondern in vielen Freistunden, sodass Schule nicht nur lernen, sondern auch Freunde treffen und Sport machen hieß. Rebecca und ich gingen z.B. mit ihrer „Corres“ zweimal die Woche Volleyball spielen. Etwas, das ohne die Ganztagesschule nicht möglich gewesen wäre, wohnen doch viele in kleinen Dörfern ohne Busverbindung.
Alle Franzosen, die wir trafen, waren sehr, sehr nett, mit einigen freundeten wir uns richtig gut an und haben bis heute Kontakt, ich redete eigentlich ausschließlich Französisch und es gab natürlich auch die in Frankreich obligatorischen „bises“. (Vielleicht war auch diese Art der Begrüßung ein Grund, dass die Schweinegrippe in Frankreich doch etwas präsenter war als zur gleichen Zeit in Deutschland ...)
Warum schreibe ich diesen Bericht?
Dieses Jahr findet der Austausch leider nicht statt, da es keine „Freiwilligen“ auf deutscher und / oder französischer Seite gegeben hat. Ich finde das sehr schade, da ich denke, dass es eine sehr gute Erfahrung ist und auch ich – die dem Ganzen am Anfang sehr kritisch gegenüberstand – zwei tolle Monate hatte, während denen sich nicht nur mein Französisch verbesserte, sondern in denen ich auch noch viele tolle Menschen kennen lernte und neue Erfahrungen machte, die ich nicht missen wollte.
Carolin Körner
Auf und davon
Am 3. September war es für mich so weit: Schulanfang nicht etwa in einer deutschen Schule mit meinen Freunden, sondern in einem französischen Lycée, dem Lycée Margueritte in Verdun.
Fahrt ins Ungewisse
Für die Schüler des Gymnasiums Neureut war noch eine Woche Zeit, bevor der Lernstress begann, doch in Frankreich hatte der Alltag schon begonnen. Auf der dreistündigen Fahrt nach Verdun wurde ich von Kilometer zu Kilometer immer nervöser. Da meine Schwester bereits an einem Austausch teilgenommen und mir viel vom Lycée erzählt hatte, wusste ich schon, was mich ungefähr erwartete. Meine Gastfamilie hatte ich auch schon beim Gegenaustausch kennen gelernt, dennoch war ich sehr aufgeregt: Was würde mich hier erwarten, weit weg von der Familie und den Freunden? Würde ich neue Freunde finden? Wie würde der Alltag in einem fremden Land aussehen?
Die Gastfamilie
Als wir bei meiner Gastfamilie ankamen, wurde erst einmal gegessen. Es wurde zwar viel geredet, ich verstand jedoch gar nichts. Man denkt, nach drei Jahren Französischunterricht könnte man sich doch gut mit anderen unterhalten. Nein, so einfach war das dann doch nicht. Ich glaube, mehr als „De l’eau s’il vous plaît“ und „Merci beaucoup“ brachte ich an diesem Abend nicht hervor.
Schulanfang
Am nächsten Morgen war dann mein erster Schultag in Frankreich. Schon das Eingangstor des Lycée machte auf mich einen respektablen Eindruck: Es hätte genauso gut zu einem Gefängnis gehören können. Als ich im Klassezimmer stand, wurde ich von allen Seiten angestarrt, was bei mir wirklich nicht zum Wohlfühlen beitrug. Der Stundenplan wurde aufgeschrieben. Papierkram erledigt und dann begann auch schon der Unterricht. In den ersten drei Wochen verstand ich sehr wenig, bis gar nichts vom Unterricht, doch ab der vierten Woche konnte ich den Unterrichtsverlauf mitverfolgen. Ich konnte mich sogar melden, um beim Unterricht mitzumachen. Übrigens war die Schülerbeteiligung während der Stunden, im Vergleich zu Deutschland, sehr gering, weil die Lehrer meist Vorträge hielten und die Klasse mitschrieb.
Erste private Kontakte
Ziemlich schnell fand ich auch schon die ersten Freunde, mit denen ich nachmittags in die Stadt gehen konnte. Dass ich bei meiner Gastfamilie wohnen konnte, war für mich von Vorteil. Sie wohnte nur fünf Minuten zu Fuß von der Schule entfernt, und ich konnte in meiner Freizeit verschiedenen Aktivitäten nachgehen, wie Volleyball, Fußball oder Handball. Den Internatsschülern war das Verlassen des Schulgeländes grundsätzlich nicht erlaubt. Das bedeutete, auch wenn man keinen Unterricht mehr hatte, durfte man sich nicht einfach mal mit Freunden treffen oder einkaufen gehen. Das war nur den Externen vorbehalten. Und einfach aus dem Schulgelände zu laufen, war sowieso nicht möglich. Das Eingangstor, welches der einzige Ausgang war, wurde die ganze Zeit bewacht und nur zu Stundenbeginn und Stundenschluss geöffnet.
Fazit
Anfangs war mein Aufenthalt zwar schwierig, wurde dann aber immer besser. Eigentlich hätte mein Austausch nur fünf Wochen dauern sollen, weil es mir aber so gut gefiel und meine Gastfamilie nichts dagegen hatte, verlängerte ich ihn auf zwei Monate. Am 5.03.2008 ist es dann wieder soweit. Ich freue mich ein weiteres Mal nach Verdun gehen zu dürfen, diesmal leider nur zehn Tage, dafür aber mit meiner Klasse. Ich hoffe, meinen Freunden wird es genauso gut gefallen wie mir.
Nabil Tanios