Elternbrief/19.06.2009

Aus Gyneu

Liebe Eltern,

das Abitur haben wir gut überstanden, jetzt gilt es, den Blick wieder in die Zukunft zu richten. Dies ist vermutlich der zweitletzte Elternbrief in meiner Verantwortung, deshalb will ich hier schon etwas vorausschauen auf meine Verabschiedung. Im letzten Elternbrief werde ich mich dann endgültig von Ihnen verabschieden.

Ich wünsche Ihren Kindern einen erfolgreichen Endspurt und uns allen einen angenehmen Frühsommer.

Mit freundlichen Grüßen


M. Wibel

Einladung zu einem Gemütlichen Beisammensein der Schulgemeinde zum Schuljahresabschluss

Am Dienstag, 28. Juli 2009, dem letzten Abend des Schuljahres und meinem letzten Abend als Schulleiter, sind alle Eltern und Schüler herzlich zu einem gemütlichen Beisammensein im Schulhof des Schulzentrums eingeladen. Es ist kein Abschiedsfest, es wird kein Programm und keine Reden geben, wir wollen einfach alle gemütlich beisammen sitzen und über alte und neue Zeiten schwätzen. Ich hoffe, dass so die Schulgemeinschaft enger zusammenwächst. Ich würde mich besonders freuen, wenn möglichst viele im Schul T-Shirt kommen. Wir wollen zwischen ca. 16.00 und 20.00 Uhr zusammensitzen, da es kein Programm gibt, können Sie kommen und gehen, wie Sie wollen.

Ich freue mich auf das Gespräch mit Ihnen.


Verabschiedung des Schulleiters

Ich werde mit Ende des Schuljahres in Pension gehen. Auf meinen persönlichen Wunsch wird es in Abstimmung mit den Schulgremien keine offizielle Verabschiedung geben, da ich nicht viel von diesen Feiern halte.

Abitur

Alle 85 Abiturienten haben das Abitur bestanden, davon immerhin 23, das ist mehr als ein Viertel, mit einer 1 vor dem Komma. Der Durchschnitt lag insgesamt bei 2,3.

Aufführung der Englischen Theater AG

Bitte merken Sie sich die Aufführungstermine der Englischen Theater AG vor: 10. und 11. Juli, 19.00 Uhr.

Manueltag

Der Manueltag war ein voller Erfolg. Ich danke allen, die zu dem guten Gelingen beigetragen haben. Wir hoffen, dass wir, wenn alle Gelder eingetroffen und zusammengezählt sind, auf rund 40.000,00 € kommen.

„Schülerstreik“

In den letzten Tagen hat es einige Aufregung darüber gegeben, dass die Schulleitung die Teilnahme an einem „Schülerstreik“ am 17.06.09 verboten und damit nach Meinung einiger gegen das grundgesetzlich garantierte Demonstrationsrecht verstoßen hat. Bei genauerem Hinsehen stellt sich der Sachverhalt freilich ganz anders dar.

Eine „unabhängige“ Initiative hatte die Schüler zur Teilnahme aufgefordert und ein „Entschuldigungsschreiben“ in das Internet gestellt, mit dem sich die Schüler vom Unterricht abmelden könnten mit dem Argument, sie hätten ein grundgesetzliches Recht auf die Teilnahme an Demonstrationen. Leider haben einige Schüler und Eltern nicht erkannt, dass so etwas nicht möglich ist. Es kann natürlich nicht angehen, dass irgendjemand ein Schreiben ins Internet stellt, das die Schüler von der Unterrichtsteilnahme befreit. Sonst kommt der nächste und befreit die Schüler für den Rest des Schuljahres von der Teilnahme am Mathematikunterricht. Für alle Ereignisse, die absehbar sind, gilt, dass weder Eltern noch Schüler noch gar anonyme Nutzer des Internets eine Abwesenheit „entschuldigen“ können. Nur die Schule kann von der Schulbesuchspflicht befreien. Wenn ein Schüler ohne eine solche Befreiung nicht in die Schule kommt, hat er geschwänzt. Im Berufsleben können auch Sie sich nicht einfach von Ihrer Arbeitspflicht selbst befreien; das kann nur Ihr Vorgesetzter. Entschuldigungen können nur im Nachhinein bei unvorhersehbaren Ereignissen angenommen werden.

Ein Streik richtet sich gegen die, die von der Arbeit der Streikenden profitieren, und hat das Ziel, mehr vom Gewinn des erwirtschafteten Betrags den Arbeitern und Angestellten zur Verfügung zu stellen. In der Schule sind die Schüler diejenigen, die den Ertrag der schulischen Arbeit erhalten. Wenn sie streiken, streiken sie gegen sich selbst. Deshalb haben die Initiatoren nicht Streik, sondern Demonstration gemeint und im „Entschuldigungsschreiben“ auf das Grundrecht der Demonstrationsfreiheit und nicht auf das Streikrecht gepocht. Den Begriff Streik haben sie gewählt, weil Streiks nur während der Arbeitszeit sinnvoll sind, Demonstrationen aber nur in der Freizeit der Demonstrierenden stattfinden können. Auch Sie können nicht einfach Ihren Arbeitsplatz verlassen und zu Ihrem Chef sagen, dass sie jetzt zu einer Demonstration gehen. Vermutlich würden Sie als Eltern sich auch bitter beklagen, wenn die Schulleitung Unterricht ausfallen ließe mit der Begründung, die Lehrer wollten lieber zu einer Demonstration gehen. Wenn der „Streik“ auf einen Samstagvormittag angesetzt worden wäre, hätten die Initiatoren sich in der Tat auf die Demonstrationsfreiheit berufen könne. Das taten sie aber aus offensichtlichen Gründen nicht, obwohl eine Demonstration am Samstag viel wirkungsvoller gewesen wäre, da dann nicht nur ein paar Rentner hätten zuschauen und zuhören können.

Noch fragwürdiger wird das Ganze, wenn man sich das Ziel des Streikes anschaut. Als erstes wird die Abschaffung des Gymnasiums und die zwangsweise Überführung in Gesamtschulen genannt. Unsere Schüler sollten also „streiken“, um sich sozusagen selbst abzuschaffen. In all den in letzter Zeit so beliebten Untersuchungen der Schulqualität schneidet das baden-württembergische Gymnasium sehr gut ab, während sich bei den Gesamtschulen große Qualitätsprobleme zeigen. Unsere Schüler sollten also dafür streiken, von einer guten Schule in eine schlechte geschickt zu werden.

Der Hintergrund wird klar, wenn man sich die Liste derjenigen anschaut, die die „unabhängige“ Initiative unterstützen. Darunter sind sehr viele linksextreme Gruppierungen. Das Ziel des Streiks scheint weniger zu sein, die Lage an den Schulen zu verbessern, als politische Forderungen mit Hilfe der Schüler, denen das zumeist unklar bleibt, durchzusetzen. So werden unsere Schüler unter der Vorgabe berechtigter Forderungen nach einer Verbesserung der Bildungssituation, zu denen ich auch stehe, instrumentalisiert für eine politische Aktion zur Gesellschaftsveränderung im linken Sinne. Dass ich dem nicht tatenlos zusehe, versteht sich von selbst.

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