Das Konzentrationslager Natzweiler- Struthof

Aus Gyneu

Am 30. April besuchte unsere Klasse 10b zusammen mit der 10c, Herrn Dolch und Frau Pfisterer das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler–Struthof, heute eine Gedenkstätte. Es war für alle ein beeindruckendes und ergreifendes Erlebnis.

Die Gemeinde Natzweiler befindet sich inmitten der Vogesen, ungefähr 50 Kilometer südwestlich von Straßburg. Das Konzentrationslager liegt in ca. 800 Meter Höhe, in dieser Gegend ist das Klima ziemlich rau, kalt und windig. Natzweiler war seines roten Granits wegen interessant für das Naziregime. Dieser diente für Prachtbauten im ganzen 3.Reich.

Als wir um 10.40 Uhr aus dem Bus ausstiegen, spürten wir, dass es trotz Sonnenschein ziemlich kalt war. Wir liefen zum einzigen Eingang und betraten das Arbeitslager. Sofort erkannte man, dass es keine Fluchtmöglichkeiten gab, denn alles war doppelt umzäunt und die Zäune waren so hoch, dass man selbst ohne den elektrischen Strom, der durch sie floss, nur mit sehr viel Mühe darüber klettern könnte.

Frau Pfisterer übernahm die Führung der 10c, Herr Dolch die von unserer Klasse.

Im Mai 1941 wurden die ersten Häftlinge nach Natzweiler-Struthof deportiert. Die durchschnittliche Überlebenszeit der Häftlinge lag bei 6 Monaten. Herr Dolch informierte uns, dass in Natzweiler und in seinen Außenlagern insgesamt 52.000 Menschen inhaftiert waren. Es handelte sich um politische Häftlinge, Kommunisten, Juden, Zigeuner, Asoziale, Homosexuelle und Gemeinverbrecher, die aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Luxemburg, Norwegen, Polen, der Sowjetunion, Spanien und der Tschechoslowakei stammten. Die Häftlinge wurden in normale- und „Nacht-und-Nebel-Häftlinge“ eingeteilt. Diese Häftlinge unterlagen einer besonders harten Behandlung. Da keine Straße vorhanden war, mussten die Häftlinge die Materialien auf ihrem Rücken über einen Weg mit 12% Steigung heranschaffen. Bei dieser harten körperlichen Arbeit starben schon die ersten KZ-Insassen. Ein Jahr nach Eröffnung des Konzentrationslagers lebten nur noch 450 der ehemalig 950 registrierten Häftlinge. Ab Herbst 1942 wurde es von dem berüchtigten Nazikommandanten Josef Kramer geleitet.

Das Lager bestand aus 17 Baracken, von denen 13 für die Insassen waren. Sie waren 12 Meter breit und 44 Meter lang. Es war für 1500 Häftlinge geplant, im September 1944 befanden sich jedoch zwischen 7000 und 8000 Häftlinge im Lager. Die Lebens- und Schlafbedingungen waren unmenschlich. Tag und Nacht verfolgten SS-Posten auf den acht um das Lager herum gebauten Wachtürmen jede einzelne Bewegung der Häftlinge im Lagerinnern. Ein Fluchtversuch schien wegen der doppelten Stacheldrahtumzäunung um das gesamte Lager (der innere Zaun war mit 380 Volt geladen) und der zwischen den Wachtürmen auf und ab gehenden Posten mit ihren Schäferhunden unmöglich.

Das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof

Wir liefen die steile Straße hinab und besichtigten die Strafzellen. In diesen Strafzellen wurden bis zu 25 Leute eingesperrt. Als Kontrastprogramm konnten wir die Villa des Kommandanten mit Swimmingpool sehen, die sich direkt neben dem Lager befindet. Herr Dolch informierte uns beim Anblick dieser Villa darüber, dass viele NS-Offiziere bis zum Eintritt in die NSDAP keinerlei Karrierechancen hatten und zum ersten Mal aus ihrer Bedeutungslosigkeit heraustreten konnten. Sie betrachteten die Insassen als Untermenschen und nahmen ihre Vernichtungs- ziele ernst.

Frau Pfisterer und Herr Dolch beschrieben uns anschaulich den Speiseplan der Häftlinge. Sie mussten sich ausschließlich von Brot, Kartoffeln und einer ekligen Brühe ernähren und waren stark unterernährt.

Parallel zu dem Wachzaun verlief ein Graben. Die Kommandanten ließen die müden, gequälten Insassen z.T. von sogenannten Kapos in diesen Graben stoßen. Diese Gefangenen wurden dann von den Wachtürmen aus erschossen, weil man behauptete es wäre ein Fluchtversuch gewesen. Eigentlich war die Methode der Hinrichtung, im Vergleich zu dem Galgen, der sich auch noch in diesem Lager befand, eine „humane“ Hinrichtungsmethode. An diesem Galgen wurden manchmal Menschen bis zu 40 Minuten lang stranguliert. Bei seiner Besichtigung beschrieb uns Herr Dolch anschaulich den Todeskampf mancher Opfer, welche zum Teil langsam und qualvoll sterben mussten. Diese Exekutionen fanden meistens im Beisein aller Häftlinge statt.

Im Krematorium wurden einige Menschen auch durch die Giftspritze getötet. Jedoch gab es auch Häftlinge, die gezwungen wurden in den elektrisch geladenen Zaun hineinzulaufen. Letztendlich ist es unmöglich alle Mordarten zu beschreiben, geschweige denn aufzuzählen. Verwiesen sei nur auf die Morde durch Schläge, Fußtritte, Unterernährung, Krankheit, übermäßige Anstrengungen, körperliche und seelische Belastungen, Fehlen von Pflege und Ruhe, medizinische Versuche etc.

Bei der Besichtigung des Krematoriums, erfuhren wir, dass die gewonnene Energie bei der Verbrennung der Leichen zur Erhitzung des Wassers in den Duschen diente. Ganz schön makaber!

Die Angehörigen deutscher Insassen konnten die Urne des Verstorbenen anfordern, mussten dafür 100-150 Reichsmark bezahlen und haben dafür Asche von irgend- welchen Toten bekommen. Es gab auch eine Ärzteabteilung für Menschenversuche. Am stärksten berührt hat uns die Besichtigung der Gaskammer und die Vorstellung, dass dort Menschen eingesperrt und vergiftet worden sind. Danach wurden sie in ein Becken geworfen, in dem sich eine chemische Lösung zur Konservierung befand.

Alles in allem kann man durch die Erhaltung des Konzentrationslagers die Methoden des faschistischen Hitlerregimes gut nachzuvollziehen. Unglaublich, dass es heute noch Menschen gibt, die die Existenz der Konzentrationslager bestreiten.

Nach der Besichtigung hatten wir eine realistische Vorstellung davon, wie grausam und menschenverachtend die Nationalsozialisten ihren Terror praktizierten.

Die Klassen 10b und 10c vor dem Konzentrationslager in den Vogesen

Doch wie es bei uns Schülern halt so ist, waren die tristen Bilder auf der Rückfahrt im Bus beim Quatschmachen schnell wieder verflogen, allerdings werden bei jedem irgendwo diese Eindrücke ein ganzes Leben lang im Gedächtnis bleiben.

Nabil Tanios, Rob Falkenstein 10b

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